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Katja Tuomainen.

Sie stellte die Küchenkultur infrage und gewann olympisches Gold

Als Team Manager des finnischen Kochnationalteams hat Katja Tuomainen traditionelle Vorstellungen von Küchenkultur hinterfragt und Finnland zu einer historischen Goldmedaille bei der Kocholympiade geführt. Jetzt bereitet sie ihr Team auf die Weltmeisterschaft 2026 vor.

„Du kannst ein guter und freundlicher Mensch sein und gleichzeitig auf höchstem Niveau kochen.“

Für Katja Tuomainen ist diese Überzeugung mehr als ein Führungsprinzip. Sie bildet das Fundament für alles, was sie gemeinsam mit dem finnischen Kochnationalteam aufgebaut hat.

Als Team Manager führte sie Finnland zu einer historischen Goldmedaille bei der Kocholympiade 2024. Nicht durch Angst, Hierarchien oder laute Ansagen, sondern durch Vertrauen, Offenheit und einen starken Teamgeist.

Dieser Ansatz steht im Gegensatz zu vielen traditionellen Vorstellungen von professionellen Küchen. Ein Ansatz, der dazu beigetragen hat, Finnland zu einem der stärksten Kochnationalteams der Welt zu machen.

Nun richtet sich der Blick auf die Weltmeisterschaft 2026, bei der das finnische Kochnationalteam vor seiner nächsten großen Herausforderung steht.

In der Küche fand sie ihren kreativen Freiraum

Lange bevor Katja Tuomainen das finnische Kochnationalteam leitete, stand sie gemeinsam mit ihrer Großmutter in einer Küche im Osten Finnlands.

Dort lernte sie, karelische Piroggen, Fleischpasteten und Kekse von Grund auf selbst zuzubereiten. Sie war erst fünf oder sechs Jahre alt, doch diese Erfahrungen prägten sie nachhaltig.

„Ich habe nie davon geträumt, Köchin zu werden. Ich habe Essen einfach geliebt“, erzählt sie.

Kreativität war ein fester Bestandteil ihrer Kindheit. Sie wuchs mit zwölf Geschwistern in einem Zuhause auf, in dem Musik allgegenwärtig war. Viele ihrer Geschwister sangen oder spielten Instrumente.

„In unserer Familie sind alle sehr musikalisch. Sie singen großartig und können fast jedes Instrument spielen.“

Sie selbst spielte Gitarre, doch in der Küche fand sie ihre eigene Form, kreativ zu sein.

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Katja Tuomainen

Irgendwann habe ich mich gefragt, womit ich etwas erschaffen kann, ohne Grenzen zu haben. Und die Antwort war Essen.

Diese Erkenntnis führte sie schließlich zur Kochschule und in einen Beruf, in dem Handwerk, Kreativität und Gemeinschaft zusammenkommen.

Anders als die meisten anderen

Katja Tuomainens Weg durch die Branche folgte keinem klassischen Karriereplan.

Während viele Köchinnen und Köche von Michelin-Sternen und Fine Dining träumen, sammelte sie Erfahrungen in ganz unterschiedlichen Küchen. Sie begann in Großküchen, in denen täglich für Tausende von Menschen gekocht wurde, und wechselte später in kleinere und spezialisiertere Betriebe.

„Ich wollte verschiedene Orte kennenlernen“, erzählt sie.

Im Laufe ihrer Karriere arbeitete sie in öffentlichen Küchen, im Private Dining und im gehobenen Catering. Jede Station eröffnete ihr neue Perspektiven und brachte wertvolle Erfahrungen mit sich.

Ihr Weg führte sie schließlich auch zu einigen der bedeutendsten Institutionen Finnlands, wo sie unter anderem für den finnischen Ministerpräsidenten und im Präsidentenpalast tätig war.

Dieser ungewöhnliche Karriereweg vermittelte ihr weit mehr als nur kulinarisches Können. Er zeigte ihr auch, wie wichtig Zusammenarbeit, zwischenmenschliche Beziehungen und gute Führung sind.

Erfahrungen, die sie schließlich zum finnischen Kochnationalteam führten.

Sie kannte das Team von innen

Katja Tuomainen kannte das Team lange, bevor sie dessen Leitung übernahm.

Zum ersten Mal bewarb sie sich 2012 für das finnische Kochnationalteam. Sie wurde aufgenommen, lehnte den Platz jedoch ab. Sie hatte schlicht das Gefühl, noch nicht bereit zu sein.

Einige Jahre später wurde sie schließlich Teil des Teams und erlebte aus nächster Nähe, wie es arbeitete. Diese Zeit brachte ihr wertvolle Erfahrungen, aber auch die wachsende Überzeugung, dass etwas den Erfolg des Teams ausbremste.

„Ich hatte ein sehr klares Gefühl dafür, was nicht funktioniert hat und warum wir nicht gewonnen haben“, erzählt sie.

Als ihr später die Rolle als Team Manager angeboten wurde, sagte sie zu. Allerdings wollte sie die Dinge auf ihre eigene Weise angehen.

Für sie besteht ein Kochnationalteam aus weit mehr als Technik und Training. Ihre Inspiration stammt eher aus dem Spitzensport als aus der klassischen Küchenwelt. 

„Wir sprechen viel darüber, was wir essen, wie wir schlafen und wie es uns zu Hause geht.“

Für Tuomainen gehören Leistung und Wohlbefinden untrennbar zusammen. Deshalb investiert sie genauso viel Zeit in die Menschen wie in das Kulinarische.

„Wenn ich 15 Teammitglieder habe, dann habe ich auch 15 unterschiedliche Menschen.“

Diese Haltung prägt das gesamte Team. Denn um das Beste aus Menschen herauszuholen, muss man sie zuerst kennenlernen.

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Das Team steht über dem Ego

Für Katja Tuomainen besteht ein erfolgreiches Team aus weit mehr als Talent.

Wenn neue Mitglieder zum finnischen Kochnationalteam kommen, sollen sie Titel und Prestige außen vor lassen. Es spielt keine Rolle, ob jemand in einem Michelin-Restaurant, einer Kantine oder auf einer Fähre arbeitet.

„Das hier ist kein Ort für zehn großartige Köche. Das hier ist ein starkes Team“, sagt sie.

Jeder soll seinen Beitrag leisten. Jeder soll dazulernen. Und jeder soll die anderen unterstützen.

Diese Haltung prägt das gesamte Team. Für Tuomainen sind Persönlichkeit und Einstellung mindestens genauso wichtig wie fachliches Können.

„Es geht vor allem um die Einstellung. Wenn die stimmt, kann man unglaublich viel in kurzer Zeit lernen.“

Vertrauen spielt dabei eine entscheidende Rolle. Die Teammitglieder werden ermutigt, offen miteinander zu sprechen und Probleme anzusprechen, bevor sie größer werden.

„Wir reden viel miteinander“, sagt sie.

Besonders wichtig wurde diese Offenheit in den Monaten vor der Kocholympiade. Mehrere Teammitglieder mussten private Verluste und schwierige Lebensphasen bewältigen. Statt sich zurückzuziehen, entschieden sie sich, gemeinsam durch diese Zeit zu gehen.

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Katja Tuomainen

Wir haben viel miteinander gesprochen. Und wir haben beschlossen, das gemeinsam durchzustehen.

Für Tuomainen entsteht genau so ein starkes Team. Nicht durch Titel. Nicht durch Hierarchien. Sondern durch Menschen, die zusammenhalten.

So gewinnt man nicht

Als Katja Tuomainen die Leitung des finnischen Kochnationalteams übernahm, begegneten viele ihrem Ansatz mit Skepsis.

„Die Leute haben mir gesagt, dass das nicht der richtige Weg sei. Dass man auf diese Weise niemals Olympiasieger wird“, erzählt sie.

Doch Tuomainen blieb ihrer Überzeugung treu. Aus ihrer eigenen Zeit im Team wusste sie, was gefehlt hatte, und war überzeugt, dass Vertrauen und gemeinsame Verantwortung der richtige Weg waren.

„Ich höre jedem zu“, sagt sie.

Im Vorfeld der Kocholympiade 2024 wuchs der Glaube an das gemeinsame Ziel. Das Team hatte jahrelang zusammen trainiert und eine Kultur geschaffen, in der sich jeder für das Ergebnis verantwortlich fühlte.

Als der Wettbewerb in Stuttgart begann, hatte Tuomainen das Gefühl, dass sie bereit waren. Nicht weil alles perfekt war, sondern weil sie ein Team sah, das als Einheit funktionierte.

„Ich wusste, dass wir gewinnen würden“, sagt sie.

Als die Bewertungen der Jury bekannt gegeben wurden, stand nicht nur das Essen im Mittelpunkt. Auch die Zusammenarbeit und der Teamgeist wurden ausdrücklich gelobt. Für Tuomainen war das der Beweis, dass es mehr als nur einen Weg zum Erfolg gibt.

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Jetzt sind sie die Gejagten

Der Goldsieg bei der Kocholympiade 2024 hat für Finnland mehr verändert als nur die Platzierung auf dem Podium. Plötzlich waren sie nicht mehr das Team, das zu den Besten aufschließen wollte. Stattdessen wurden sie zu dem Team, das alle schlagen wollen. Das spürt auch Katja Tuomainen im Hinblick auf die Weltmeisterschaft 2026.

„Natürlich“, sagt sie auf die Frage, ob der Druck inzwischen größer geworden ist.

Doch die gestiegenen Erwartungen ändern nichts an dem, worauf es ankommt. Im Gegenteil: Jetzt geht es darum, sich weiterzuentwickeln und sich nicht auf den bisherigen Erfolgen auszuruhen. Gleichzeitig wird die Konkurrenz immer stärker. Mehrere Nationen haben ihr Niveau in den vergangenen Jahren deutlich angehoben.

„Dänemark, Schweden, Norwegen und die Schweiz sind immer stark. Aber auch Estland macht im Moment einen richtig guten Job“, sagt sie.

Trotzdem bleibt das Erfolgsrezept dasselbe. Auf die Frage, was hinter dem Erfolg des Teams steckt, muss sie nicht lange überlegen:

„Zusammenarbeit.“

Vielleicht ist das nicht die spektakulärste Antwort. Bis jetzt hat sie allerdings ziemlich gut funktioniert.

Mehr als nur eine Kochjacke

Im finnischen Kochnationalteam kommt es auf die Details an. Das gilt natürlich für das Essen, aber auch für alles, was dazugehört. Für Katja Tuomainen spielt die Arbeitskleidung dabei eine größere Rolle, als man vielleicht vermuten würde.

„Wenn die Kleidung gut sitzt, fühlt man sich wohl. Das gibt Selbstvertrauen, und das merkt man auch bei der Arbeit“, sagt sie.

Dabei geht es nicht nur um den einzelnen Koch. Wenn das Team die Wettbewerbsküche betritt, vertritt es nicht nur sich selbst, sondern ganz Finnland. Umso wichtiger ist es, als Einheit aufzutreten.

„Das stärkt den Zusammenhalt“, sagt sie.

Für Tuomainen sind jedoch weder Medaillen noch Uniformen die eigentliche Motivation.

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Katja Tuomainen

Wir machen das, weil wir dafür brennen. Und wenn wir dabei auch noch gewinnen, ist das natürlich großartig.

Etwas, das bleibt

Für Katja Tuomainen bedeutet Erfolg mehr als Medaillen. Sie hofft, dass das, was das Team über die Jahre aufgebaut hat, auch dann weiterlebt, wenn sie selbst längst nicht mehr an der Spitze steht.

„Ich möchte nicht, dass die Leute denken, es sei nur ein einmaliger Erfolg gewesen“, sagt sie.

Für sie ist der größte Erfolg nicht unbedingt das Gold von Stuttgart. Es ist die Vorstellung, dass auch künftige Generationen von Köchinnen und Köchen Teil eines Umfelds werden können, in dem Vertrauen, Respekt und Gemeinschaft genauso wichtig sind wie Ergebnisse.

Ein Ort, an dem man sich weiterentwickeln, Höchstleistungen erbringen und erfolgreich sein kann, ohne sich dafür verbiegen zu müssen. Genau das möchte sie auch jungen Köchinnen und Köchen mit auf den Weg geben.

„Ich hoffe, sie lernen, dass du ein freundlicher und anständiger Mensch sein und gleichzeitig auf höchstem Niveau kochen kannst.“

Eine einfache Botschaft. Aber eine, die Finnland bereits zu olympischem Gold geführt hat.