Du kannst nicht perfekt sein, aber du kannst nach Perfektion streben
Ein Porträt des Michelin-Kochs Lukas Kienbauer, der mit Geschmack, Leidenschaft und kompromissloser Hingabe ganze Welten erschafft.
Es ist noch dunkel draußen, als Lukas Kienbauer die Tür zu seinem Restaurant aufschließt. In der Luft liegt ein zarter Duft von gestrigem Brot und Reinigungsmitteln. Keine Gäste. Kein Team. Nur Stille und das weiche Morgenlicht, das auf die offene Küche fällt. Er wischt selbst die Edelstahlflächen ab. Nicht, weil er muss, sondern weil er es will.
Für Lukas liegt die Perfektion in den Details, die niemand sonst bemerkt. In den letzten fünf Prozent, die andere überspringen würden, findet er Sinn und vielleicht sogar ein wenig Magie.
Im Laufe des letzten Jahrzehnts hat er still und leise die Regeln dafür umgeschrieben, was Fine Dining in einer alten barocken Kleinstadt in Österreich sein kann – Schärding, einem Ort, der eher für Bier bekannt ist als für siebengängige Überraschungsmenüs.
Ein früher Funke
Lukas Kienbauer wuchs in einem Gasthof auf, in dem sein Vater in der Küche stand und Gastfreundschaft in den Wänden steckte. Es war nicht glamourös, aber es war echt. Der Klang kochender Töpfe, Lachen und klirrende Gläser erfüllten die Räume und ließen den Duft von Essen und Leben entstehen.
Er hatte nie geplant, Koch zu werden. Doch der Rhythmus der Küche blieb haften. Die Art, wie sich alles bewegte. Die Geräusche, Düfte, das Tempo. Er lernte, indem er neben seinem Vater stand, beobachtete, wie er arbeitete, und langsam versuchte, alles ein kleines bisschen besser zu machen.
”Irgendwann habe ich den Kochlehrlingen gezeigt, wie man Schnitzel macht“, sagt er mit einem Lächeln, als würde es ihn selbst noch überraschen.
Als Teenager war er nie derjenige, der am lautesten sprach. Er war der Beobachter, derjenige, der Ruhe darin fand, Dinge richtig zu machen. Er liebte das Gefühl, etwas von Anfang bis Ende durchzuführen und zu wissen, dass es ordentlich gemacht war.
Auch während seiner Ausbildung bewahrte er seine Ruhe. Er suchte keinen Applaus - nur den Fortschritt, Tag für Tag, Teller für Teller.



